Bücherwurm im Serienwahn

Was haben „Sherlock“, „Shannara“ und „Shadowhunters“ gemeinsam? Nein, ich meine nicht, dass alle mit „S“ beginnen. Alle drei sind die Titel von Serien, die auf Bestsellern basieren. Ebenso wie „Game of Thrones“, „Outlander“ und andere erfolgreiche Serien. Es ist ein Trend, Bestseller statt als Kinofilme als Serien auf die Leinwand (beziehungsweise den Laptop) zu bringen. Aber bedeutet eine gute Vorlage automatisch eine gute Serie?

Ich bin ein absoluter Serienjunkie und ein Bücherwurm und Hauptargument für mich, eine neue Serie anzufangen ist häufig die Tatsache, dass es eine Buchvorlage gibt. Die lese ich immer vorher, um danach meinen Mitmenschen mitteilen zu können, wenn das Drehbuch vom Original abweicht. Ich bin aber nicht der Meinung, dass eine Verfilmung nur gut ist, wenn sie eine 1:1 Adaption der Vorlage ist. Es gibt ganz verschiedene Arten der Umsetzung und viele haben mich bisher überzeugt.

Freie Interpretation: Die Chroniken von Shannara

Die Serie „Shannara“ zum Beispiel, die eine Verfilmung der „Chroniken von Shannara“ von Terry Brooks ist, weicht ziemlich weit von der Handlung der Bücher ab. In diesem Fall stört es mich aber nicht, weil die Bücher schon einige Jahrzehnte alt und damit für das heutige Publikum etwas angestaubt sind. „Shannara“ kann zwar nicht mit Buchtreue punkten, dafür aber mit anderen Dingen. Zum Beispiel die hervorragenden Effekte, das Kostümdesign und die wunderschönen Landschaftsaufnahmen aus Neuseeland, dem Land der Hobbits und Elben. Es gibt massenweise Fantasy-Serien, aber abseits von „Game of Thrones“ leider nur wenige, die qualitativ hochwertig sind.

Verneigung vor dem Autor: Sherlock

Bei anderen Serien mag manch einer zunächst schockiert sein, was der Vorlage „angetan“ wurde. Beispiel: „Sherlock“. Sherlock Holmes im 21. Jahrhundert? Als moderner Mann mit Smartphone und Laptop? Geht das überhaupt? Wenn man sich jedoch allein die erste Folge ansieht, wird man belohnt mit Dialogen, die 1:1 aus Conan Doyles Vorlage entnommen und an unser Zeitalter angepasst wurden. Mit jedem Fall, der in unsere Zeit übertragen wird und vielen Anspielungen auf Details aus den Büchern merkt man, dass die Macher*innen von „Sherlock“ Arthur Conan Doyles Vermächtnis zutiefst respektieren und wertschätzen. Diese Serie wirkt nie gezwungen modern, sondern beweist, dass es bei dem berühmtesten Detektiv der Welt nur um ein Genie und seinen Freund geht, die Verbrechen aufklären und nicht darum, in welcher Zeit sie es tun.

Zweite Chance als Serie: Shadowhunters

Dann gibt es noch Serien, die bereits der zweite Versuch einer Adaption sind. „Shadowhunters“ ist die zweite Verfilmung von Cassandra Clares „Chroniken der Unterwelt“. 2013 kam ein Kinofilm zum ersten Teil „City of Bones“ heraus, der jedoch gnadenlos floppte. Wahrscheinlich auch, weil die Handlung so sehr verdichtet und  abgeändert wurde, dass das Ende des Films nichts mehr mit der Vorlage gemeinsam hatte. Der zweite Versuch als Serie ist deutlich gelungener. Zwar gibt es auch hier einige Abweichungen von der Vorlage, aber eine Serie bietet einfach mehr Raum für die Entwicklungen der verschieden Protagonist*innen. Da die „Chroniken der Unterwelt“ einige davon hat, ist eine Serie die bessere Lösung.

Buchvorlagen bieten großes Potential

Einen Bestseller als Vorlage zu haben, reicht sicher nicht aus für eine gute Umsetzung, aber man gewinnt zumindest die Leser*innen schon als potenzielles Publikum. Natürlich ist dann der Druck umso größer, die Erwartungen zu erfüllen. Schon die Besetzung so zu treffen, dass sie einem Großteil der Fangemeinde gefällt, ist sicherlich ein kleines Hexenwerk. Sehr gut gelungen ist das auch „Game of Thrones“  oder der Historien/Fantasy-Serie „Outlander“ nach Diana Gabaldons Zeitreise-Saga.

Am wichtigsten ist mir persönlich, dass die Figuren nicht verfälscht werden, denn die bilden nun mal den Kern der Geschichte. Die nächste Serie, auf die ich sehnsüchtig warte, ist die Verfilmung der „Hexer-Saga“ von Andrzej Sapkowski, an der gerade bei Netflix gearbeitet wird. Die Bücher liegen schon bereit, um Zitate nachzuschlagen.

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Julia

Nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur in der Stabi freue ich mich, als Gastautorin weiter für den Blog schreiben zu dürfen. Für ein gutes Buch kann ich schon mal eine Nacht durchmachen. Ich schaue gerne Serien und Fußball und kann mich stundenlang über die neuesten Fantasy- und Marvel-Blockbuster unterhalten. #Büchersüchtige #Tolkienfangirl #Bastelkönigin #Musicalliebhaberin

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