Achtung Suchtgefahr!

Suchtgefahr

Bücher sind gefährlich. Sie sind überall erhältlich, selbst Kinder haben dazu Zugang. Der Konsum von Büchern kann eine ausgeprägte Fantasie und großes Wissen zur Folge haben und außerdem eine lebenslang anhaltende Sucht auslösen. Falls ihr diese Droge noch nie konsumiert habt, muss ich euch warnen. Sie ruft starke Halluzinationen hervor, lässt das Opfer denken, es befände sich in einer anderen Realität und wäre ein Hobbit, Polizist*in, Seefahrer*in … und kann außerdem dafür sorgen, dass man das Zeitgefühl verliert.

Wenn ihr diese Droge trotz meiner Warnung testen möchtet, solltet ihr einige Schritte beachten, damit ihr auch an den richtigen (Lese-)Stoff kommt.

Guter Lesestoff

1. Optik und Haptik

Der beste Stoff sind Hardcover-Bücher. Möglichst dick. Besonders gute haben vergoldete Buchstaben auf dem Cover und ein Lesebändchen. Bücher mit Lesebändchen sind immer zu bevorzugen!

2. Der Klappentext

Ist das Cover überzeugend, muss man sich natürlich auch dem Inhalt widmen. Hier richtet es sich nach dem persönlichen Geschmack, was man als spannend erachtet. Ob vorhersehbarer Liebesroman oder spannender Thriller – am besten probiert man verschiedene Mischungen, bis man eine gefunden hat, die den persönlichen Geschmack am besten trifft.

3. Geruchstest

Blättert das Buch auf und haltet eure Nase zwischen die Seiten. Atmet tief ein. Nach was riecht es? Holz? Druckerschwärze? Bleichmittel? Für ein besseres Ergebnis sollte dieser Vorgang wiederholt werden.

Der Leserausch

Dann kann es auch schon losgehen mit dem Konsum. Jedes Buch hat dabei eine unterschiedliche Wirkung. Bei manchen reichen ein paar Seiten, um eine Sucht auszulösen, andere brauchen etwas länger, um ihr Potenzial zu entfalten. Ist der Stoff gut, gerät man in einen Leserausch. Die Folgen davon können sein: Lachen, Weinen, Überraschung, Wut auf fiktionale Personen.

Der Entzug

Der Entzug. Leider hält der meiste Lesestoff nicht lange, gerade wenn der Leserausch sehr stark ist. Dann folgt die schlimme Phase nach dem Rausch: Das Ende einer großartigen Geschichte oder das Warten auf den nächsten Teil. Diese Wirkung lässt sich nur dadurch abschwächen, dass man möglichst schnell ein neues gutes Buch anfängt.

Achtung: Bei besonders schweren Fällen eines book hangover („Buch-Kater“) kann es sogar zum TEAB-Syndrom kommen. Das „The End of an Awesome Book“-Syndrom beschreibt die Fassungslosigkeit und die Leere nach dem Ende eines guten Buches oder einer Reihe. Es führt dazu, dass man erstmal kein neues Buch anfangen kann, weil das letzte so gut war.

Sobald man das überwunden hat, geht das Ganze beim nächsten Buch wieder von vorne los. Eine komplette Abstinenz von Büchern ist leider in den meisten Fällen nicht mehr möglich, sobald man sein erstes gutes Buch konsumiert hat.

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Julia

Nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur in der Stabi freue ich mich, als Gastautorin weiter für den Blog schreiben zu dürfen. Für ein gutes Buch kann ich schon mal eine Nacht durchmachen. Ich schaue gerne Serien und Fußball und kann mich stundenlang über die neuesten Fantasy- und Marvel-Blockbuster unterhalten. #Büchersüchtige #Tolkienfangirl #Bastelkönigin #Musicalliebhaberin

6 Kommentare zu „Achtung Suchtgefahr!“

  1. Warum kostet die Bibliothek dann? Bildung muß kostenlos sein und Bücher erschwinglicher. Helsinki hat gerade eine völlig neue, kostenlose Stadtbibliothek eingeweiht. Warum geht das in D nicht?

    1. „ The public library shall in principle be free of charge.” – “Die Öffentliche Bibliothek soll grundsätzlich gebührenfrei nutzbar sein.” So heißt es im “Manifest für öffentliche Bibliotheken” von IFLA und UNESCO: https://www.ifla.org/publications/iflaunesco-public-library-manifesto-1994
      Leider sieht die Realität in Deutschland anders aus. Ich selbst bedauere das sehr und wünschte mir auch gebührenfreie Bibliotheken wie in Finnland oder den USA. In Erlangen werden Besitzer*innen eines ErlangenPasses seit diesem Jahr von der Jahresgebühr befreit.

  2. Ein gutes Buch muss aber gar nicht süchtig machen, es kann sogar anstrengend sein oder langweilig. Man wird es gelegentlich hassen, doch am Ende hat man mehr mitgenommen als beim kurzen Rausch. Trau dich mal, du wirst es nicht bereuen.

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