Warum Vorlesen glücklich macht

MeghCox Gurdon: Die verzauberte Stunde - Warum Vorlesen glücklich macht

In diesen besonderen Zeiten gibt es besondere Angebote, um Familien zu unterstützen. So haben wir im Online-Kurs Familientreffen digital: Wir machen eine Videokonferenz! gezeigt, wie Großeltern über Video mit ihren Enkeln in Kontakt bleiben können.

Vorlesen mit Skype und Co

In diesem Zusammenhang rückt auch das Vorlesen wieder in den Vordergrund. Engagierte Omas und Opas praktizieren mit ihren Enkeln mit Begeisterung abendliches Vorlesen über Skype oder andere Dienste, um sich in den Zeiten des Abstandhaltens nahe zu sein. Stiftung Lesen unterstützt Familien mit vielen Vorschlägen auf der Seite www.einfachvorlesen.de. Unter www.wuselstunde.de werden zweimal am Tag Vorlesestunden für Kinder unterschiedlichen Alters angeboten, um gestresste Eltern zu entlasten.

Dass Vorlesen für alle Beteiligten einen großen Gewinn bringt, davon ist die amerikanische Journalistin Meghan Cox Gurdon, fünffache Mutter und bekannte Kinderbuchrezensentin für renommierte amerikanische Zeitungen, überzeugt. In ihrem mitreißenden Buch „Die verzauberte Stunde“ erzählt sie locker und amüsant, warum Vorlesen nicht nur Kinder glücklich macht.

Cox Gurdon: Die verzauberte Stunde – ein besonderer Lesetipp

Meghan Cox Gurdon Die verzauberte Stunde - Warum Vorlesen glücklich macht Cox Gurdon gibt viele Beispiele und Anregungen zum richtigen Vorlesen. Sie beleuchtet soziale, psychologische und neurologische Aspekte und zeigt, wie durch Vorlesen die Bindung gestärkt, Sprachentwicklung gefördert und das Vorstellungsvermögen bereichert wird.

Das Kapitel „Was beim Vorlesen im Gehirn des Kindes geschieht“ ist besonders interessant. Sehr spannend zu lesen sind die Untersuchungen von Dr. John S. Hutton, der mittels Computertomografie die Hirnaktivität von Kindern erst beim Vorlesen, dann beim Vorlesen mit Bildern und schließlich beim Videoschauen untersucht hat. Ziel war herauszufinden, was in den bestimmten Hirnnetzwerken passiert, die für die frühe Lese- und Schreibfähigkeit zuständig sind.

Beim ersten Versuch, dem reinen Vorlesen, war eine leichte Aktivität der Netzwerke zu erkennen, im Bereich der Visualisierung geschah aber nichts, da kleinere Kinder noch zu wenig Erinnerungen, Gefühle und Bilder gespeichert haben. Beim zweiten Versuch, in dem die Kinder eine Geschichte hören und Bilder sehen, kam es dagegen zu einem besonderen Phänomen: Jetzt war eine verstärkte Netzaktivität zu erkennen, wobei sich die Netzwerke untereinander unterstützten und dabei die neuronalen Verbindungen und die gesamte Struktur des Gehirns gestärkt wurde. Im dritten Versuch, in dem Kinder ein Video anschauten, war das Ergebnis ebenso deutlich zu sehen: Wo vorher verstärkte Hirnaktivität zu erkennen war, hatte das Gehirn seine Arbeit eingestellt. Bis auf die visuelle Wahrnehmung war nichts zu sehen, das Gehirn arbeitete nicht, die höherstufigen, für das Lernen zuständigen Hirnnetzwerke waren nicht aktiv. Anscheinend kam es hier zu einer Trennung von Sehen, Vorstellungskraft und Sprache. Das Kind sah die Geschichte, konnte sie aber nicht mit anderen höherstufigen Hirnnetzwerken verbinden.

Hutton sieht im medialen Alltag unserer Kinder mit Smartphone, Tablet und Fernsehen die Gefahr, dass sich gerade in der prägenden Entwicklungsphase zwischen 3. und 5. Lebensjahr höherstufige Hirnnetzwerke nicht entwickeln oder verkümmern, wenn das Kind zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt.

Deshalb ist Cox Gurdons Buch so empfehlenswert, denn es motiviert uns, wenigstens einmal am Tag eine Auszeit zu nehmen und sich eine „verzauberte Stunde“ zu gönnen, die nicht nur den Kindern zugute kommt, sondern auch uns selbst.

Ich wünsche allen Vorlesern schöne Erlebnisse mit begeisterten Kindern und Erwachsenen. Übrigens: das Buch enthält auch noch andere interessante Kapitel, z.B.: „Vom Vorlesen zum Altenheim. Warum das Vorlesen kein Verfallsdatum hat.“

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Christine L.

Als Verantwortliche für zielgruppenorientierte Bibliotheksarbeit halte ich den Kontakt zu Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt und beschäftige mich mit Themen wie Inklusion, Integration, Sprachförderung oder Demenz. Ich mag Sprachen und lese oft englischsprachige Bücher. #Vielleserin #Netzwerkerin #Sprachfreundin

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