Tagebuch einer FaMI-Azubine: Kapitel 7

Am 1. September 2019 habe ich meine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Stabi begonnen.
Hier berichte ich über den Alltag als FaMI-Azubine in der Stadtbibliothek Erlangen und nehme euch mit auf das Abenteuer Ausbildung.
Letzte Woche fand das erste Praktikum meiner Ausbildung statt. Im Stadtarchiv Erlangen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu berichten, weil ich so viel gelernt habe. Eins kann ich schon verraten: es war unheimlich interessant.

Tag 1 – Der Zauber von Archivalien

Es ging los mit einer Führung durch die Magazine, die seit dem Umzug des Stadtarchivs endlich im selbem Gebäude untergebracht sind.

Da die Systematik eine ganz andere ist als in der Stabi, fiel es mir erstmal schwer, den Sinn hinter der Kombination aus Buchstaben, lateinischen und arabischen Zahlen zu erkennen. Ich war aber auch ein wenig abgelenkt durch die Archivalien selbst. Als jemand, dem die Quellenarbeit im Geschichtsunterricht immer am meisten Spaß gemacht hat, fand ich es toll, die ganzen alten Dokumente, Fotos und Gegenstände im Original sehen zu können. Ich hätte auch die ganze Woche im Magazin bleiben und mich durch die Bestände arbeiten können. Dann hätte ich allerdings viele andere interessante Dinge verpasst.

Ein Studentenverzeichnis und seine neue Verpackung
Links das Studentenverzeichnis, rechts die neue Verpackung

Zum Beispiel, wie man Archivalien in „Faust“ erfasst, der Bibliothekssoftware, die im Archiv genutzt wird. Ich durfte Studentenverzeichnisse von 1887 erfassen, reinigen und in neue Verpackungen umbetten. Archivalien sollten nämlich in Mappen aus säurefreiem Papier gelagert werden, um ihrem Verfall vorzubeugen. Nebenbei konnte ich gucken, welche Studiengänge damals beliebt waren. Medizin war damals schon der Renner, zusammen mit (Trommelwirbel): Theologie.

Tag 2 – Exkursion und Recherchetraining

Am zweiten Tag ging es gleich auf eine kleine Exkursion. Erst ins Medienzentrum und dann in die Pestalozzi-Schule, die potenzielle Archivalien abzugeben hatten. Da das Stadtarchiv naturgemäß immer ein Platzproblem hat und zudem eine genaue Aufgabenbeschreibung, werden solche Sachen erst begutachtet und auf ihre Archivwürdigkeit überprüft. Nicht alles, was alt ist, wird im Stadtarchiv aufgenommen.

Eine Sammelmappe zum Tag der deutschen Einheit mit Bestellzetteln
Eine Sammelmappe zum Tag der deutschen Einheit mit Bestellzetteln

Nachmittags bekam ich dann eine Einführung in die Recherchemöglichkeiten von „Faust“. Passend zum Datum war das Thema der 17.06.1953, der ehemalige Tag der deutschen Einheit. Nachdem ich die Materialien recherchiert hatte, waren wir im Magazin, um sie auszuheben und es fiel mir schon ein bisschen leichter, mich zurechtzufinden. Der letzte Schritt war dann, eine Reproduktion anzufertigen, wie es auch für Nutzer*innen gemacht wird. Das ist entweder eine Kopie oder – wie in diesem Fall – ein Scan.

Tag 3 – Benutzungsdienst im Stadtarchiv

Den Lesesaal des Stadtarchivs durfte ich am Mittwoch kennenlernen. Hier liegen die bestellten Archivalien für die Nutzer*innen bereit und es gibt eine kleine, aber feine Präsenzbibliothek. Danach bekam ich eine Einführung in den Bestand, der am häufigsten genutzt wird: Die Bauakten.
Zu guter Letzt habe ich gelernt, wie man in der Fotodatenbank recherchiert und habe mich ein bisschen durch alte Fotos der Stabi im Palais Stutterheim und in ihren Vorgängerstandorten gewühlt.

Tag 4 – Die Archivbibliothek

Der Donnerstag war ganz der Archivbibliothek gewidmet. Die ist nicht dasselbe wie das Archiv, sondern eine eigene kleine Abteilung. Und in diesem Fall sogar eine One-Person-Library, also eine Bibliothek, die nur von einer Person betrieben wird. Hier durfte ich sogar (unter Aufsicht) ein paar Bücher katalogisieren und hatte endlich die Erleuchtung für die Systematik, nach der die Bücher dort aufgestellt werden. Es war auch sehr interessant, zusätzlich zu „Faust“ noch eine weitere Bibliothekssoftware kennenzulernen, nämlich „Aleph“. Aleph wird in vielen wissenschaftlichen Bibliotheken verwendet und unterscheidet sich in einigen Dingen von der Software, mit der ich täglich arbeite.

Tag 5 – Ahnenforschung

Den letzten Tag habe ich mit meiner Betreuerin Ahnenforschung für einen Nutzer betrieben. Es ist hilfreich, dass ein Teil der Einwohnermeldekarteien schon digitalisiert sind, so muss man sich bei einigen Jahrgängen nicht mehr durch die Zettelkataloge wühlen. Nicht so hilfreich ist, wenn man die alten Handschriften nicht lesen kann. Meine Betreuerin hat fleißig für mich übersetzt.

Ein Buch über das Stadtarchiv ErlangenUnd damit war die Woche im Stadtarchiv auch schon wie im Flug vergangen. Eigentlich wollte ich mehr Fotos machen, aber dann war ich zu sehr damit beschäftigt, zu gucken, zuzuhören und die ganzen Informationen aufzusaugen. Dieser Blick hinter die Kulissen war sehr spannend, leider ist er für normale Nutzer natürlich nicht so einfach möglich. Aber wenn ihr neugierig geworden seid, kann ich euch dieses Buch sehr empfehlen. Darin sind nicht nur viele Informationen über die Geschichte des Archivs, sondern auch Fotos einiger interessanter Archivalien.

© Stadtbibliothek Erlangen

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Julia

Nach den Stationen Praktikum, FSJ und Aushilfskraft lässt die Stabi mich einfach nicht los und ich bleibe ihr als Auszubildende treu. Für ein gutes Buch kann ich schon mal eine Nacht durchmachen. Ich schaue gerne Serien und Fußball und kann mich stundenlang über die neuesten Fantasy- und Marvel-Blockbuster unterhalten. #Büchersüchtige #Tolkienfangirl #Bastelkönigin #Musicalliebhaberin

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