Wie kommen die E-Books in die Bibliothek?

E-Books in der Franken-Onleihe
Habt ihr euch vielleicht auch schon mal gefragt, wo wir unsere E-Books und E-Medien kaufen? Wie kommen die E-Books in die Bibliothek?

Hier haben wir ein paar Antworten auf eure Fragen:

Wo kauft ihr die E-Books?

Wir kaufen die E-Books für die Franken-Onleihe bei dem Dienstleister, der auch die technische Plattform für die Franken-Onleihe stellt. Die Divibib GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Ekz Gmbh, einem Dienstleister für öffentliche Bibliotheken.

Warum könnt ihr die E-Books nicht im lokalen Buchhandel kaufen?

Bibliotheken können E-Books nicht wie gedruckte Bücher im Buchhandel zum Endkundenpreis kaufen und verleihen. Stattdessen erwerben Bibliotheken Nutzungsrechte zum Verleih der E-Books über einen zentralen Anbieter, die Divibib GmbH. Dieses Unternehmen schließt mit den jeweiligen Verlagen Einzelverträge ab. Viele Verlage veräußern ihre E-Books zum einfachen Preis für den Verleih durch Bibliotheken. Diese E-Books können dann über die jeweiligen Onleihe-Plattformen der Bibliotheken von deren Nutzer*innen ausgeliehen werden. Da kopiergeschützte E-Books (bei der üblichen seriellen Lizenz) dabei nicht von mehreren Personen gleichzeitig ausgeliehen werden können, erwerben wir bei starker Nachfrage mehrere Lizenzen eines Titels.
Die Divibib führt also für uns Bibliotheken Gespräche mit den Buchverlagen und verhandelt über die Lizenzbedingungen. So muss nicht jede Bibliothek für sich verhandeln.

Müssen Bibliotheken für E-Books mehr bezahlen als private Käufer*innen?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Verlage, die von den Bibliotheken denselben Preis verlangen wie von privaten Käufer*innen. Andere hingegen versehen ihre E-Books mit deutlichen Aufschlägen, die die Bibliotheken zahlen müssten. Das kann der 1,5-fache, aber auch der 1,75-fache Preis sein.

Werden jeden Tag neue Titel eingekauft?

Wir stöbern jeden Tag im Medienshop unseres Dienstleisters, aber bestellt wird in der Regel einmal in der Woche. Meist lösen wir unsere Bestellung am Dienstagnachmittag aus und mit Glück können unsere Leser*innen dann am Mittwoch schon in den Neuerwerbungen stöbern.

Wer kauft die E-Books eigentlich? Macht das jede Bibliothek für sich?

Wir haben in der Franken-Onleihe sogenannte Lektorate, die schon von Anfang an fest von bestimmten Kolleg*innen der Verbundbibliotheken betreut werden. Das garantiert Kontinuität und einen guten Bestandsaufbau über die Jahre hinweg. Jede Verbundbibliothek zahlt nach einem festen Schlüssel in den gemeinsamen Etat ein. Mit diesem größeren Etat können wir natürlich einen viel größeren und attraktiveren Bestand anbieten, als wenn jede Verbundbibliothek ihren eigenen Bestand aufbauen müsste.
Wir in Erlangen verantworten das Lektorat für Belletristik. Ich suche die E-Books aus, Marlene die E-Audios.

Nach welchen Kriterien werden die E-Books ausgewählt?

Wir versuchen, einen guten Mix zu finden. Ganz wichtig ist uns natürlich die Aktualität. Bei den Sachbüchern sollten viele Themen abgedeckt sein, in der Belletristik sowohl leichtere als auch anspruchsvolle Literatur. Auch der Preis spielt eine Rolle, denn ein Problem ist natürlich immer die Endlichkeit unseres Anschaffungsetats. Ein weiteres die Politik der Verlage, aber dazu später mehr.

Wo/Wie finde ich die E-Books der Bibliothek eigentlich?

Die Franken-Onleihe ist im Web unter franken.onleihe.de zu finden. Aber auch jede einzelne unserer Verbundbibliotheken spielt die Titeldaten der gemeinsam gekauften E-Medien in ihren jeweiligen Bibliothekskatalog ein. So können unsere Leser*innen sowohl im Bibliothekskatalog als auch direkt in der Franken-Onleihe recherchieren.
Für den E-Book-Reader gibt es eine spezielle Oberfläche, die sogenannte E-Reader-Onleihe. Nach dem Login mit den Anmeldedaten der Bibliothek kann man im Bestand stöbern. Für Smartphone und Tablet gibt es die Onleihe-App.

Kauft ihr auch E-Books für Kinder?

Ja, natürlich. Auch unsere Kinder- und Jugendbuchlektorin kauft jeden Monat im Schnitt 127 E-Books und E-Audios für Kinder und Jugendliche.

Was mache ich, wenn ein E-Book ausgeliehen ist und ich es bald lesen möchte?

Wenn ein*e andere*r Leser*in schneller war und das gewünschte E-Book entliehen ist, dann kann man es kostenfrei vormerken. Falls eine Vormerkbenachrichtigung gewünscht ist, gibt man die eigene E-Mail-Adresse an und wird benachrichtigt, sobald das E-Book ausleihbar ist.

Was kann ich tun, wenn ein E-Book gar nicht vorhanden ist?

Wir freuen uns immer über Anschaffungsvorschläge unserer Leser*innen. In diesem Fall genügt eine Mail über unser Kontaktformular.
Wir melden uns dann in jedem Fall. Es kann leider durchaus vorkommen, dass wir das E-Book gar nicht erwerben können. Bei älteren Titeln müssen wir uns außerdem schon aus Etatgründen gut überlegen, ob wir den Wunsch erfüllen können.

Warum gibt es viele Bestseller nicht?

Viele Verlage und Verlagsgruppen stellen öffentlichen Bibliotheken ihre E-Book-Lizenzen erst mit Verspätung zum Erwerb zur Verfügung. Teilweise müssen wir ein ganzes Jahr warten, bis wir diese E-Books für die Franken-Onleihe kaufen können. Diese Vorgehensweise wird „Windowing“ genannt, nach dem Zeitfenster, das die Verlage festlegen.

Ein weiteres Problem ist der Preis. Es gibt leider viele Verlage, die von uns öffentlichen Bibliotheken einen höheren Preis als von „Otto Normalverbraucher“ verlangen. Also zum Beispiel den 1,5-fachen Preis oder den 1,75-fachen Preis. Das ist mit unserem Etat schwer zu stemmen. Deswegen müssen wir leider in aller Regel auf diese Titel verzichten.

Zum dritten gibt es aber auch Verlage, die ihre E-Books überhaupt nicht für öffentliche Bibliotheken frei geben. Bei gedruckten Büchern hat jede Bibliothek das Recht, nach eigener fachlicher Entscheidung jeden Titel zum gebundenen Ladenpreis zu erwerben und zum Verleih anzubieten. Bund und Bundesländer entrichten dafür eine Ausgleichszahlung („Bibliothekstantieme“) für den Verleih in öffentlichen Bibliotheken an die Urheber der ausgeliehenen Werke. Das gibt es bisher im E-Book-Bereich so nicht und damit für uns als öffentliche Bibliothek leider auch keine Möglichkeit, jeden Titel als E-Book zu erwerben.

Leider gibt es für E-Books nicht dieselben Regeln wie bei den gedruckten Büchern. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Auch der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) setzt sich mit der Kampagne #BuchistBuch für eine Gleichstellung von gedruckten Büchern und E-Books ein und hat im Januar 2021 einen offenen Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages formuliert. Die Bibliotheken der Franken-Onleihe fordern eine gesetzliche Regelung zur E-Book-Ausleihe.

Die gedruckten Bücher sind immer ganz fix ausleihbar, auf neue E-Books warte ich manchmal ewig. Warum ist das so?

Zum einen liegt das am erwähnten Windowing.
Zum anderen haben wir wenig Einfluss auf das Datum der Auslieferung, wenn wir E-Books bestellt haben. In aller Regel sind die bestellten E-Books nach ein, zwei Tagen in der Franken-Onleihe zu finden. Manchmal dauert es aber auch länger.

Manchmal fehlt ein Band von einer Reihe. Wie kommt das?

Man glaubt es kaum, aber den Verlagen ist es egal, ob wir eine Reihe vollständig anbieten können. Manchmal beginnen wir eine Reihe, bestellen auch die weiteren Bände und merken dann, dass zwischendrin ein Band fehlt. Auch wir können Medienwünsche bei unserem technischen Dienstleister äußern. Dann kommt es nicht selten vor, dass wir zur Antwort bekommen, dass der jeweilige Verlag den Band nicht für die Onleihe freigegeben hat.
Natürlich kann es auch passieren, dass wir versehentlich einen Band nicht bestellen. Dann sind wir immer dankbar, wenn ihr uns darauf aufmerksam macht.

Bleiben einmal gekaufte E-Books für immer im Angebot der Bibliothek oder sortiert ihr auch aus?  

Das ist ein komplexes Thema. Zum einen sortieren wir teilweise schon aus, das nennt man in der Bibliothek „makulieren“. Das betrifft zum Beispiel veraltete Reiseführer oder Rechtsberater. Der häufigste Grund für das Makulieren in der physischen Bibliothek ist ja, wenn ein Buch zerlesen ist. Das kommt nun aber bei E-Books nicht zum Tragen.

Also haben sich die Verlage etwas überlegt und bieten viele ihrer Lizenzen nur befristet an, zum Beispiel für 48 Monate. Danach muss man die Lizenz neu erwerben. Manche Verlage kombinieren das mit einer sogenannten Kontingent-Lizenz. Das bedeutet, dass das E-Book zum Beispiel 52 Mal entliehen werden darf und danach erlischt die Lizenz und muss neu erworben werden. Je nachdem, ob die 52 Ausleihen oder die 48 Monate zuerst erreicht werden, wird das E-Book dann aus der Franken-Onleihe entfernt.

Ihr erkennt das in der Regel an dem Text: „Die Lizenzen sind abgelaufen“ oder „Maximale Ausleihen erreicht“. Wenn es Bestseller bzw. Bestleiher sind, versuchen wir natürlich die Lizenz nachzukaufen. Für alle reicht aber einfach das Geld nicht.

Was gibt es neben E-Books noch in der Onleihe?

Ihr findet neben E-Books auch E-Audios (Hörbücher), E-Paper (Tageszeitungen) und E-Magazine (Zeitschriften) in der Franken-Onleihe.

Habt ihr noch Fragen? Dann immer her damit!
Und wenn ihr wissen wollt, wie die Bücher in die Bibliothek kommen, dann schaut mal hier rein.

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Martina

Mein Herz schlägt für Romane und Krimis und ich liebe es, Neuerscheinungen in den Händen zu halten. Wie wundervoll, dass ich das in der Stadtbibliothek jeden Tag tun darf! Übers Bestellen und Katalogisieren hinaus interessiere ich mich neben Fotografie und Fussball seit Jahren für die digitale Welt und bin jeden Tag auf den unterschiedlichsten Plattformen im Netz unterwegs. Ich lese einfach jeden Tag, egal wo und egal, ob analog oder digital. #Krimisüchtige #Fotografin #FCBayernfan #immerneugierig

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5 Kommentare zu „Wie kommen die E-Books in die Bibliothek?“

  1. Hallo an euer Team,

    Das ist mal ein schöner Beitrag, der mich sehr interessiert. Ich liebäugelt schon länger damit, mich bei euch wegen der großen Ebookauswahl bei euch anzumelden. Da ich in Langenzenn lebe ist es ja nicht immer so schnell möglich, physisch bei euch etwas auszuleihen, gerade aktuell sogar noch weniger. Danke erstmal für diesen schönen Einblick in die Art, wie das mit den Ebooks bei euch/allgemein abläuft.

    Liebe Grüße
    Marc

  2. Hallihallo.
    Auch ich nutze die Möglichkeit, über die franken.onleihe e-books auf meinen Tolino zu laden. Prinzipiell ist das ein wunderbares Angebot.
    Allerdings hat mein Tolino, ebenso wie der meines Mannes, immer wieder Schwieigkeiten beim “Umblättern”. So springt er gleich einige Seiten weiter und man muss mühselig dann wieder zurückfinden.
    Ich denke aber nicht, dass dies am Tolino liegt, da mir das bei gekauften Büchern niemals passiert. Geht das nur uns so? Kann man da was tun?
    Lieber Gruß
    Inge

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