Karge Nachkriegszeit

Volksbücherei (Altstädter Rathaus) um 1950

Die Erlanger Stadtbibliothek feiert 2021 ihr 100-jähriges Jubiläum. Hartmut Heisig gibt spannende Einblicke in die Geschichte der Bibliothek. Ein Gastbeitrag.

So riskant kann die Arbeit einer Bibliothekarin sein! Auf der Leiter balanciert Diplombibliothekarin Elisabeth Jung. Ab 1954 leitete sie die Volksbücherei, bzw. später Stadtbücherei, über 30 Jahre lang. Damals war die Bücherei noch im Gebäude des heutigen Stadtmuseums am Martin-Luther-Platz untergebracht.

Das Bild aus dem Jahr 1950 sollte die gefährlichen Arbeitsbedingungen in den Räumen belegen. Die Bücherei war im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht, ein wenig ansprechender ständig künstlich beleuchteter Arbeitsplatz. Auf 70qm arbeiteten drei Bibliothekarinnen und eine technische Kraft. Außerdem lagerten hier 12.000 Bände, mehr als doppelt so viel wie eigentlich vorgeschrieben und die Kataloge. Die Bücher standen auf überhohen, schlecht ausgeleuchteten Regalen. Es gab keinen Lesesaal und auch die heute übliche Freihandausleihe war noch Utopie.

Am 19. November 1945 wurde die Volksbücherei unter Leitung von Johannes Bischoff wiedereröffnet. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mangelte es an allem: simple Dinge wie Glühbirnen oder Buchbinderleim gab es nur auf Bezugsschein. Bücher als Ersatz für die Unmengen an ausgemusterter NS-Literatur waren, wenn überhaupt, nur als Spende erhältlich.

Und doch war die Bücherei für die Erlangerinnen und Erlanger ungemein wichtig, war vielfach die einzige Quelle für Bildung und Unterhaltung. Unter schwierigsten Bedingungen lieferte sie einen wichtigen Beitrag für einen Neustart der Gesellschaft.

Hartmut Heisig, Historiker, M.A.

Bild Stadtarchiv Erlangen

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