Lesetipp: Das Verschwinden der Erde

Julia Phillips hat einen fesselnden Debütroman über das Leben auf der russischen Halbinsel Kamtschatka geschrieben.

Worum geht es?

Gleich zu Beginn verschwinden zwei Mädchen. Niemand weiß wohin. Leben Sie noch? Dieses Ereignis erschüttert die Menschen in Kamtschatka. Die Polizei ist hilflos. Und kommt nicht auf die Idee, eine Verbindung zu einem weiteren Vermisstenfall herzustellen. Denn schon ein Jahr zuvor wurde eine Studentin wie vom Erdboden verschluckt. Doch damals hat das außerhalb der Familie niemanden interessiert. Vielleicht weil sie indigener statt russischer Herkunft war?

Der Roman entwickelt einen unglaublichen Sog. Kapitel für Kapitel begleiten wir unterschiedliche Frauen ein paar Tage oder Wochen ihres Lebens. Schülerinnen und Studentinnen, Forscherinnen oder Sekretärinnen: Sie suchen ihren Weg in einer gespaltenen und männerorientierten Gesellschaft. Alle erleben einen Verlust und halten sich dennoch aufrecht. Jedes Kapitel ist eine Kurzgeschichte für sich und dennoch verweben sich die Schicksale zunehmend. Bis zum fulminanten Ende.

Was den Roman außerdem so echt und eindrücklich macht, ist dessen Verortung im wahren Kamtschatka, einer abgeschiedenen und für uns so fremden Welt in Russland, mit ganz unterschiedlichen Ethnien, wenig Menschen, einer einzigen Großstadt und ganz viel rauer Natur.

Mein Fazit

Für mich ragt dieses Buch aus dem Meer der Neuerscheinungen heraus. Ich bin tief eingetaucht in die Geschichte, die Lebensbedingungen und spektakulären Landschaften am Rande der Welt. Und gerne hätte ich die Frauen immer weiter begleitet. Vielleicht wird es einmal eine Fortsetzung geben.

Über die Autorin

Julia Philips, die Autorin, ist eine Amerikanerin. Kamtschatka lernte sie als junge Frau im Rahmen eines Stipendiums kennen. Sie forschte dort über die Folgen des zunehmenden Tourismus. Und schrieb danach einen wunderbaren, sehr glaubhaften, Roman.

Und jetzt lesen

Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde / dtv, 2021. – 374 Seiten

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Marlene

Als Verantwortliche für Online-Kommunikation und digitale Medien in der Erlanger Stadtbibliothek bin ich viel im Netz unterwegs. Den analogen Ausgleich finde ich beim Wandern, Reisen und in der Literatur. #Bettleserin #Couchsurferin #BIBchatDElerin

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