Stolzeaugen.books: Deutschlands erster BIPoC-Verlag

Katharina Leyrer, Wandi Wrede, Viviane Camaraa

Stolzeaugen.books ist der erste Verlag von und für Menschen mit Rassismuserfahrung in Deutschland. Im Rahmen der Black History Weeks stellte er sich in der Stadtbibliothek Erlangen vor.

„Wir leben mit einer anderen Perspektive und wir schreiben aus einer anderen Perspektive als weiße Menschen“ sagt Viviane Camara. Deswegen hat sie mit Wandi Wrede und fünf weiteren BIPoC den Verlag stolzeaugen.books gegründet. Ihr Ziel ist es, die Stimmen von Menschen mit Rassismuserfahrung in der deutschen Literaturlandschaft sichtbarer zu machen. Die Abkürzung BIPoC steht für Black, Indigenous, People of Color. Der Begriff ist eine politische Selbstbezeichnung, der aus dem Widerstand gegen Diskriminierung und dem Kampf für Gleichberechtigung entstanden ist.

Viviane Camara ist Gründungsmitglied und eine der Geschäftsführerinnen von stolzeaugen.books. Gemeinsam mit Wandi Wrede, die für das Social-Media-Marketing des Verlags zuständig ist, war sie am 11. November 2021 in der Erlanger Stadtbibliothek zu Gast. Viviane Camara und Wandi Wrede berichteten von ihrer Erfahrung, dass Texte Schwarzer Autor*innen von Verlagen entweder abgelehnt oder verändert und verfälscht wurden.

Texte nach Hanau CoverDaher ist das erste Buch, das stolzeaugen.books verlegt hat, nicht nur inhaltlich besonders. Es zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Verlegerinnen die Texte der Autor*innen nicht verändert haben: „Texte nach Hanau“ ist ein Jahr nach dem Anschlag am 19. Februar 2020 in Hanau erschienen. Der Band bildet die Stimmen von 50 Menschen ab, die ihre Gefühle und Gedanken, Enttäuschungen und Erwartungen nach dem Anschlag zum Ausdruck bringen. Als Viviane Camara bei der Veranstaltung in der Stadtbibliothek aus den „Texten nach Hanau“ las, wurde deutlich, welche emotionale Bedeutung das Buch für die Verlegerinnen hat – und zugleich für Zuhörer*innen und Leser*innen einnehmen kann.

Samira und die Sache mit den BabysDass stolzeaugen.books eine große Bandbreite an Büchern verlegt, wird mit der zweiten Publikation des Verlags deutlich: „Samira und die Sache mit den Babys“ von Souzan al Sabah und Özlem Sakalkesen ist ein Aufklärungsbuch für Kinder ab 5 Jahren. Es vermittelt Wissen um Sexualität, Körper und Schwangerschaft. Dabei stellt es dabei binäre Denkmuster und patriarchale Mythen in Frage. Anders als in den meisten Kinderbüchern sind die Hauptfiguren BIPoC. Kinder lernen zum Beispiel, dass es verschiedene Beziehungsformen gibt und jedes Geschlechtsteil einzigartig ist.

Für die Zukunft plant stolzeaugen.books, weitere Bände von „Samira“ zu veröffentlichen und einen Roman zu verlegen. Es lohnt sich also, den Verlag im Blick zu behalten, z.B. auf Instagram. Auf die Frage, was sich die Verlegerinnen von Leser*innen und Akteur*innen im Buch- und Kulturbereich wünschen, sagte Wandi Wrede: „Kauft unsere Bücher, lest unsere Bücher – und erzählt euren Freund*innen davon“. Beide Publikationen des Verlags seien an dieser Stelle also wärmstens empfohlen – zum Ausleihen in der Stadtbibliothek und als Weihnachtsgeschenk für alle, die Bücher mögen.

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Katharina

„There is no cloud, just other peoples' computers“ steht auf dem Sticker, den ich eigentlich wegen seiner hübschen Wolken-Form auf meinen Laptop geklebt habe – der mich aber dazu gebracht hat, über unterschiedliche Perspektiven auf den digitalen Wandel nachzudenken. Nach einem famosen Jahr in der Stadtbibliothek Erlangen arbeite ich deswegen als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erlangen-Nürnberg, um zu Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung zu forschen. Zum Glück darf ich hier im Blog als Gastautorin immer noch von meinen unzähligen Leidenschaften berichten – von fremdsprachigen Romanen bis zu Musik und Filmen mit Hang zum Absurden. #digitaleselbstverteidigung #digitalerwandel #medienkompetenz #stilllovinfeminism

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