Mein Lesetipp zum International Transgender Day of Visibility: Cemetery Boys

Das Buch "Cemetery Boys" steht vor einer dunklen Steinwand auf einem roten Untergrund. Davor stehen Kerzen und goldene Blüten. Am Buch hängt ein trans-Pride-Armband.

Passend zum International Transgender Day of Visibility möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, das mit spannender Fantasy, einer tollen Liebesgeschichte und einem trans Protagonisten überzeugt.

Geister in Schach halten – das Familienbusiness

Yadriels Familie lebt auf einem Friedhof und sein Vater ist das Oberhaupt der brujx. Sie sind eine Gemeinschaft, die magische Kräfte hat. Die Frauen haben Heilkräfte, die Männer sind dafür zuständig, verlorene Geister in die Nachwelt zu leiten. Im Alter von 15 Jahren kriegen junge brujx in einer Zeremonie ihre Kräfte von Lady Death verliehen. Yadriel wurde das verwehrt – weil er trans ist.

Also gibt es für Yadriel nur eine Möglichkeit: Er muss die Zeremonie selbst durchführen. Dabei erhält er Unterstützung von seiner Cousine Maritza. Als plötzlich auch noch sein Cousin Miguel stirbt, aber seine Leiche unauffindbar bleibt, sieht Yadriel seine Chance: Er wird Miguels Geist heraufbeschwören, herausfinden, wie dieser gestorben ist und damit seiner Familie (und sich selbst) beweisen, dass er ein echter brujo ist. Doch der Geist, den er stattdessen heraufbeschwört, ist der als “Bad Boy” bekannte Julian von Yadriels Schule. Und dieser weigert sich partout zu gehen. Das Letzte, an das er sich erinnern kann, ist ein mysteriöser Angriff auf seine Freundesgruppe. Deshalb möchte er unbedingt nachsehen, ob es seinen Freund*innen gut geht. Yadriel verspricht, ihm dabei zu helfen, wenn Julian sich danach widerstandslos in die Nachwelt verfrachten lässt. Blöd nur, dass Yadriel ihn irgendwann gar nicht mehr so unbedingt loswerden will…

Vielschichtig und farbenprächtig

Ich bin absolut kein Fan von Liebesgeschichten und die Liebesgeschichte ist ein wichtiger Bestandteil in Cemetery Boys. Deshalb hat es mich überrascht, wie schnell mir dieses Buch ans Herz gewachsen ist. Das lag zum einen an den wundervollen Charakteren, die alle auf ihre eigene Art liebenswert sind und über die ich am liebsten noch so viel mehr erfahren hätte. Zum anderen baut sich die Beziehung zwischen Yadriel und Julian langsam und intensiv auf, und lässt dadurch viel Platz für andere Themen. Es ist eine Geschichte über vieles: Über die Liebe, über Freundschaft und Familie, über Tradition, Kultur und Magie. Vor allem aber ist es eine Geschichte über Yadriel und seinen Wunsch, akzeptiert zu werden.

Fantasy trifft Realität

Durch Yadriels Perspektive wird nämlich vor allem eines deutlich: Die alltägliche Transfeindlichkeit. Die Beziehung zwischen Yadriel und seiner Familie ist besonders schwer zu lesen. Es steht völlig außer Frage, dass sie ihn lieben. Gerade das macht es umso schmerzvoller, wenn seine abuelita ihn in einem unbedachten Moment bei seinem deadname nennt. Denn auch wenn seine Familie sich bemüht, ihn überwiegend mit richtigem Namen und richtigen Pronomen anspricht und ihn akzeptiert, zeigen viele unüberlegte Äußerungen, dass sie ihn nicht verstehen – und vor allem nicht verstehen, weshalb es für Yadriel nicht okay ist, in ihren Augen immer noch das “kleine Mädchen” von früher zu sein.

Trans* Menschen werden inzwischen immer öfter in den Medien repräsentiert und das ist gut so. Doch alles, was keine offene Gewaltandrohung ist, wird selten als Transfeindlichkeit wahrgenommen. Und genau deshalb braucht es solche ownVoices-Bücher wie Cemetery Boys von Aiden Thomas. Bücher, die aus der Sicht von trans* Personen erzählen und deutlich machen, wie verletzend alltägliche und (für cis Menschen) belanglose Äußerungen sein können. Akzeptanz ist nicht immer gleich Akzeptanz und besonders trans* Jugendliche müssen wissen, dass es okay ist, von vermeintlichen Kleinigkeiten verletzt zu werden.

Und jetzt lesen

Aiden Thomas: Cemetery Boys / Macmillan, 2020. – 325 Seiten

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Und wer lieber auf die deutsche Übersetzung warten möchte: Sie erscheint diesen Juni. 🙂

 

Ein Portrait von Laurin, dem Verfasser des Blogartikels.Über den Verfasser des Blogbeitrags:

Hallo, ich heiße Laurin und bin 19 Jahre alt. Seit September 2021 mache ich meinen Bundesfreiwilligendienst hier in der Stadtbibliothek Erlangen. Es macht mir sehr viel Spaß – auch, weil ich mir kaum schöneres vorstellen kann, als den ganzen Tag von Büchern umgeben zu sein. Ansonsten mache ich in meiner Freizeit gerne Musik, gehe ins Theater oder bastle an einem neuen Bausatz herum.

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